Dirk Randoll

Der kritische Blick auf die Waldorfpädagogik
Zum Tod von Dirk Randoll – eine Forscherpersönlichkeit

Dirk Randoll ist am 8. Dezember 2021 verstorben. Er zählt zu den Pionieren einer empirischen Beforschung der Waldorfpädagogik. Mit ihm verliert die Waldorfpädagogik einen kritischen Freund, der mit seiner analytischen Außensicht wohl mehr für die Anerkennung der Waldorfpädagogik in der Öffentlichkeit geleistet hat, als es eine eher affirmative Innenperspektive je zu leisten vermöchte.
Nach einem Studium der Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sonder- und Heilpädagogik an der Johann Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt (1979-1982) hat Dirk Randoll als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Psychologie des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung „DIPF“ (1983-1999) zahlreiche Studien zur Frage der Prävention und Intervention von Stottern bei Kindern vorgelegt. Er hat 1992 zum Thema „Lernbehinderung an der Regelschule“ promoviert. Seit 1999 war er Projektleiter bei der Software AG-Stiftung in Darmstadt und hat begonnen, mit zahlreichen Untersuchungen quantitativer Natur, aber auch mit unterschiedlichen mixed-method-Ansätzen, die Waldorfpädagogik zu beforschen. Viele bisher eher theoretisch formulierte Vorurteile aus der Öffentlichkeit, aber auch aus der kritischen Erziehungswissenschaft über den Grad der weltanschaulichen Beeinflussung, über mangelnde Lernleistungen an Waldorfschulen usw. konnten anhand der konkreten empirischen Befunde von Dirk Randoll widerlegt werden. Neben der grundlegenden Studie „Waldorfpädagogik auf dem Prüfstand“ (1999) ist vor allem die gemeinsam mit Heiner Barz entstandene umfassende Absolventenstudie „Absolventen von Waldorfschulen. Eine empirische Studie zu Bildung und Lebensgestaltung“ (2007) ein Meilenstein der Waldorfforschung. Die mit den anerkannten Methoden der Erziehungswissenschaft untersuchte Waldorfpädagogik schnitt in diesen Studien überaus positiv ab hinsichtlich der Zufriedenheit der Absolvent:innen. Natürlich wurde auch viel Kritisches zu Tage gefördert, das Dirk Randoll dezidiert herausgestellt hat. Gerade diese Kritik ist aber unerlässlich für die Qualitätsentwicklung einer jeder Pädagogik. Es folgten weitere grundlegende Studien zur Profession: „Ich bin Waldorflehrer“ (2012 gemeinsam mit Jürgen Peters), zum Lernkonzept: „Selbstverantwortetes Lernen an Freien Waldorfschulen“ (2012 gemeinsam mit Michael Harslem), zur Heilpädagogik: „Lehrerinnen und Lehrer an heilpädagogischen Schulen“ (2014 gemeinsam mit Bernhard Schmalenbach) und auch über den Tellerrand der Waldorfpädagogik hinaus zur Reformpädagogik: „Bildungserfahrungen an Montessorischulen“ (2013 gemeinsam mit Sylvia Liebewein und Heiner Barz), des Weiteren: Bildungserfahrungen an Freien Alternativschulen (2017 gemeinsam mit Ines Graudenz und Jürgen Peters). Eine wichtige Untersuchung legte er 2020 gemeinsam mit Petra Ehrler und Jürgen Peters zum Oberstufenkonzept der Evangelischen Schule Berlin vor: „Lernen mit Freude – bis zum Abitur“. Seine letzte Veröffentlichung in diesem Jahr war eine aktuelle Absolventenbefragung „Wir waren auf der Waldorfschule“ (2021 gemeinsam mit Jürgen Peters). Viele der Untersuchungen von Dirk Randoll wurden zudem im internationalen Kontext als Vorlagen für Forschungen in anderen Ländern genutzt. So wurden auf Basis der entwickelten Fragebögen und in Kooperation mit Dirk Randoll Waldorfschulen in Brasilien, Dänemark, der Schweiz, den USA, Österreich, Israel und Neuseeland beforscht.
Dirk Randoll hatte von 2004 an eine Professur für empirische Sozialwissenschaft an der Alanus Hochschule inne. Er war damit der erste erziehungswissenschaftliche Professor in der damals jungen privaten Hochschule. Er war von 2004-2017 Leiter des Instituts für Erziehungswissenschaft und empirische Sozialforschung im Fachbereich Bildungswissenschaft an der Alanus Hochschule. Seine Forschungen haben zur akademischen Anerkennung der Alanus Hochschule, die im Fachbereich Bildungswissenschaft über ein kooperatives Promotionsrecht verfügt, maßgeblich beigetragen.
Es ist Dirk Randoll gelungen, ein breites und lebendiges nationales und internationales Forschungsnetzwerk zu etablieren, an denen kritische Waldorfforscher wie Heiner Barz (Universität Düsseldorf) und Heiner Ullrich (Universität Mainz) beteiligt gewesen sind. Durch seine Arbeiten ist der diskursive wissenschaftsbasierte Dialog zwischen Waldorfpädagogik und Allgemeiner Erziehungswissenschaft in einem hohen Maße gefördert worden. Die Alanus Hochschule verliert einen Forscher, der mit seinen Forschungen Neuland betreten hat, der einen unbestechlich kritischen Blick auf seinen Gegenstand hatte und der eine hohe Reputation in der erziehungswissenschaftlichen Fachwelt genießt.

Quelle: Alanus Hochschule, Fachbereich Bildungswissenschaft, Prof. Dr. Jost Schieren (Dekan) am 08.12.2021

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